Der Rangierbahnhof

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  • 9783936084443
  • Gewaltige Schneemassen bedecken das Hochthal und mitten drin liegt in einer erstarrten Welt, von Schnee halb begraben, ein warmes Nest, das einsame Gehöft Rohrmoos. Über der weitausgedehnten Felsenmasse, die das Hochthal östlich begrenzt, schimmert der erste Tagesschein, der verkündet, daß hier über die Herrgottswände, die wie ein leichter, grauer Schatten aus dem Dämmerlicht sich abheben, die Sonne, wenn ihre Stunde gekommen ist, schauen wird. Erde und Himmel weiß, die ganze Atmosphäre wie aus zarten Eiskristallen gewoben. [2] Die unabsehbaren Schneemassen, die festgewurzelte Kälte, die eisige Dämmerung, all’ diese kalten lebensfeindlichen Mächte umgeben das warme Nest mit solch unheimlicher Gewalt, als gelte es, diesen Unterschlupf von allerlei pulsierendem Leben aufzusaugen, jeden Tropfen, der sich dort birgt, zu erstarren. Alles aber, was sich auf dem dämmerigen Hof regt, atmet einen Überfluß von Wärme und Leben. Aus den eisüberzogenen Stallfenstern fällt der rotgelbe Schein der Laternen, bei deren Licht schon seit Stunden in den Ställen und draußen auf dem zertretenen, strohuntermischten Schnee hantiert wird. Wird eine Thür geöffnet, so quillt warmer Dampf in die Kälte hinaus und mit ihm die Brummchöre des Viehs. Auf der Miststatt dampft es. Die Pfosten, welche das Erzeugnis des ansehnlichen Rohrmooser Viehstandes umgeben, sind durch diese warmen Dämpfe, die die großen Schneehauben auf ihnen tauen ließen, mit fußdicken bräunlichen Eiskrusten überzogen, die in sonderbaren Zapfen herunterhängen. Aus der großen Futterscheune duftet es [3] nach gut eingebrachtem Heu und der Geruch kräftiger Sommertage strömt in den starren Wintermorgen hinaus. Die Mägde und Knechte laufen über den Hof, blasen in die Hände und strömen auch warmen Dunst und Dampf aus, der sich ihnen als weißer Reif an Haar und Mütze festsetzt. Alles, was lebt, dampft auf Rohrmoos; die Pferde, die ein Knecht anschirrt, blasen ganze Wolken aus ihren Nüstern, hüllen sich damit gegenseitig ein, so daß ihnen Mähnen, Köpfe und Leiber wie in wogendem Nebel stecken. An den großen, verdeckten Milchgefäßen, die aus den Ställen in die Molkerei geschafft werden, dampft das feuchtwarme Holz; jeder feuchte Strohhalm, der von den Knechten und Mägden aus den Ställen hinaus in den Schnee verschleppt wird, läßt ein Weilchen eine zierlich sich ringelnde Dunstsäule wie ein kleines Opfer emporsteigen.
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Produktinformationen "Der Rangierbahnhof"

Die edition GENDER im Turmhut-Verlag verfolgt das Ziel, historische
Texte von Frauen interessierten Leserinnen und Lesern ebenso
wie der literaturwissenschaftlichen Forschung erneut zugänglich zu
machen.

Paperback - 236 Seiten

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