Arlendala

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  • 9783936084962
  • Arlendala legte den Feuerstein in den Rucksack und verschloss ihn sorgfältig. Mainufa schaute ihr aufmerksam zu und maunzte leise. „Ja, meine Kleine, jetzt geht es los“, sagte Arlendala sanft zu ihr und kraulte zerstreut ihr Köpfchen. „Du willst nicht wirklich die Katze mitnehmen?“, fragte Nara kopfschüttelnd. „Natürlich geht Mainufa mit. Ich brauche sie.“ „Aber sie ist nur eine Katze“, warf Boito ein. „Ein Hund könnte dir nützlich sein. Eine Katze läuft dir höchstens weg.“ „Mainufa würde nie weglaufen. Sie ist keine gewöhnliche Katze.“ „Das erzählst du uns nun schon, seit du sie gefunden hast“, seufzte Boito. Arlendala lächelte nur. Diese Diskussion hatten sie schon oft geführt. Ihre Eltern verstanden nicht, dass sie zu ihrer Katze eine ganz besondere Bindung hatte. Sie spürten gegenseitig, was die andere fühlte. Und vor allem gab Mainufa ihr so viel Liebe. Die Katze liebte sie so bedingungslos, dass sie es manchmal selbst nicht fassen konnte. Es kam einfach nicht in Frage, dass sie zurückblieb. Der Gedanke ohne sie zu sein, bereitete Arlendala fast körperliche Schmerzen. Und sie wollte gar nicht daran denken, dass Mainufa eines Tages sterben könnte, denn Katzen lebten nun mal nicht so lange wie Menschen. Doch jetzt musste sie an anderes denken. Es trieb sie hinaus. Sie wollte ihre leiblichen Eltern suchen. Sie hatte erst vor vier Jahren erfahren, dass sie ein Findelkind war und Nara und Boito sie nur großgezogen hatten. Es war ein harter Schlag für sie gewesen. Sie hatte zwar immer gewusst, dass sie anders war als die anderen Kinder, aber auf so etwas wäre sie nie gekommen. Sie hatte es von ihren Spielkameraden erfahren, die sie nach einem Streit ärgern wollten. Erst wollte sie ihnen nicht glauben, aber als sie Nara davon erzählte, brach die in Tränen aus und erzählte ihr die ganze Geschichte, wie sie sie als wenige Tage altes Baby am Waldrand gefunden hatten. Für Arlendala brach eine Welt zusammen. Zum Glück war gerade an diesem Tag Mainufa aufgetaucht. Sie half ihr, darüber hinwegzukommen. Und sie half ihr auch, wieder Vertrauen zu ihren Zieheltern zu gewinnen. Denn es war schlimm für sie, dass man ihr zwölf Jahre lang die Wahrheit verschwiegen hatte. Sie umarmte erst Boito und dann Nara, die sich schluchzend an sie klammerte. Es tat Arlendala weh, ihre Mutter so traurig zu sehen. Auch Boito wischte verstohlen über seine feuchten Augen. Sie hatten in den letzten Tagen endlos diskutiert, und die beiden wollten sie nicht gehen lassen. Sie verstanden einfach nicht, dass sie ihre leiblichen Eltern suchen musste. Boito reichte ihr beinah verlegen ein Stück abgewetztes Pergament: „Das ist eine alte Landkarte, vielleicht hilft sie dir ein bisschen.“ Arlendala faltete sie auseinander und legte sie auf den Tisch. Sie hatte noch nie eine Landkarte gesehen und wusste nicht wirklich etwas damit anzufangen. „Das sind die Berge im Norden“, erklärte Boito. „Hier ist der Pass, den du nehmen solltest. Dafür musst du diesen Wald hier durchqueren. Hinter den Bergen kommt eine große Ebene. Dann folgen Hügel, irgendwo dahinter wohnt das Volk, von dem du stammst, das Land heißt Wandall.“ „Wieso weißt du, woher ich stamme, wenn ihr mich gefunden habt?“, wollte Arlendala wissen. „Ist dir nie aufgefallen, dass du mandelförmige Augen hast, im Gegensatz zu uns und den anderen hier?“, fragte Nara. „Schon, aber ich habe mir nichts dabei gedacht.“ „Die Menschen aus Wandall haben solche Augen“, fuhr Nara fort. „Außerdem lag diese Goldmünze aus Wandall in dem Körbchen, in dem wir dich gefunden haben. Sie sollte wohl dazu dienen, für dich zu sorgen“, sagte Boito und hielt ihr eine große goldene Münze hin. „Wir haben sie nicht gebraucht, und nun sollst du sie haben.“ Zögernd nahm Arlendala die Münze. Auf der einen Seite war der Kopf eines Mannes zu sehen, auf der anderen ein Drache. Unschlüssig drehte sie sie von einer Seite zur anderen. „Nimm sie“, sagte Nara und schloss Arlendalas Hand um die Münze. „Wir können dir nichts anderes mitgeben, und wenn du in Not kommst, hast du so etwas Geld.“ „Danke“, stammelte Arlendala und umarmte Nara erneut. Sie hatte zwar keine Ahnung, wie viel so eine Münze wert war, doch ihr Gefühl sagte ihr, dass es viel sein musste. Etwas verlegen wandte sie sich wieder der Karte zu. „Und was ist das?“, fragte sie und deutete auf eine große Fläche links der Berge. „Das ist das Meer“, sagte Boito. „Das Meer? Das möchte ich gern mal sehen.“ „Ja, es muss überwältigend sein. Aber ich werde es wohl nie sehen.“ „Ich wohl auch nicht. Ich gehe nur nach Wandall, und wenn ich meine Eltern gefunden habe, komme ich wieder.“ Nara weinte leise vor sich hin und streichelte ihre Tochter immer wieder über die Wange. Arlendala schlüpfte in ihre weichen, doch robusten Stiefel, zog ihre warme Felljacke an, schulterte den Rucksack, den Köcher mit den Pfeilen und den Bogen und ging hinaus, bevor ihr auch noch die Tränen kamen. Mainufa folgte ihr, nachdem sie den beiden Alten noch einmal kurz um die Beine gestrichen war. Am Haus des Schmieds winkte Arlendala ihren Eltern noch einmal zu, bevor sie sich nach rechts wandte.
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Produktinformationen "Arlendala"

Die sechzehnjährige Arlendala, die als Findelkind in einem kleinen abgeschiedenen Dorf aufgewachsen ist, begibt sich auf die Suche nach ihren Eltern.Auf der Reise wird sie von ihrer Katze Mainufa begleitet, mit der sie auf besondere Art verbunden ist.Gemeinsam stoßen sie auf Dinge, die sie nicht für möglich gehalten hätten.

Paperback - 150 Seiten

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