François sucht Freunde

François sucht Freunde
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  • 978-3936084474
  • Von nun an war der kleine Kater jeden Tag ein bisschen länger draußen und durfte immer mehr vom Garten erkunden. Doch es dauerte noch eine weitere ganze Woche, bis sein Frauchen ihn endlich einmal für eine Weile allein ließ. Während dieser Zeit stellten die sechs Katzen allerlei Spekulationen über ihn an. Lissi bewies dabei die größte Phantasie. Als der Kleine dann schließlich ohne sein Frauchen im Garten saß, war sie auch die erste, die ihn entdeckte. Sie stieß das vereinbarte Miauen aus, um es den anderen mitzuteilen, und trippelte auf ihn zu. "Hallo", sagte sie. Überrascht schaute der Kleine auf. Er hatte sich gerade mit einem dicken Käfer beschäftigt und Lissi nicht bemerkt. "Allo", sagte er freudig überrascht, als er sie sah, "isch wusste gar nicht, dass ier noch eine Katze wohnt." Wie spricht denn der, dachte Lissi. "Natürlich wohnen hier Katzen", sagte sie nicht gerade freundlich. "Hast du etwa gedacht, das gehört dir hier alles allein." "Nein, das nischt. Isch abe eigentlich noch gar nicht darüber nachgedacht, aber isch freue misch." In dem Moment sprang Blacky von der Mauer. Von der anderen Seite kletterten Rudi und Trixi über den Zaun und Oskar und Felicitas kamen eilig ums Haus herum. Für den armen, kleinen Kater waren das ein paar Katzen zuviel auf einmal und so saß er mit offenem Mund da und brachte kein Wort mehr heraus. Trixi lief zu ihm hin und sagte freundlich: "Hallo, ich bin Trixi, das sind Rudi, Blacky, Lissi, Oskar und Felicitas." Sie deutete mit der Pfote auf die einzelnen Katzen während sie sie vorstellte. Als der Kleine immer noch nicht sagte, fragte sie: "Und wie heißt du?" "Isch - isch - eiße François", stotterte er. Lissi und Blacky verkniffen sich mühsam ein Lachen. "Frasva?", versuchte es Trixi. "Nein, man sprischt es Froswa aus, mit einem o wie offen, nicht wie Ofen." "Froswa?", probierte es Oskar und als der Kleine nickte fuhr er fort, "das hört sich französisch an, auch deine Aussprache klingt so." "Isch kann noch nischt so gut deutsch", stammelte François verlegen. "Das macht doch nichts", sagte Felicitas und schaute ihn freundlich an. "Siehst du deswegen auch so komisch aus?", wollte Lissi wissen. "Was meinst du mit komisch?", fragte François erschrocken und schaute prüfend an sich herab. "Naja, anders als wir", sagte Lissi. "Isch bin ein Kartäuser," erklärte François. "Was ist denn das?", fragte Blacky. "Das ist eine Katzenrasse aus Frankreich", klärte ihn Oskar auf. "Er ist tatsächlich ein Ausländer?!", kreischte Lissi. "Was hat so einer hier bei uns zu suchen?" "Nun hab dich nicht so!", fuhr Trixi sie an. "Er ist eine Katze, genau wie wir." "Er sieht nicht aus wie wir", beharrte Lissi. François machte sich so klein wie möglich. Er wünschte sich weit weg. Er hatte nicht damit gerechnet, dass man ihn ablehnen könnte, nur weil er ein bisschen anders aussah. Außerdem war es ihm bisher gar nicht bewusst gewesen, dass er anders war, als die Katzen hier. Er schaute noch einmal an sich herab. Ja, er hatte ein bläuliches Fell, aber die anderen hatten auch die verschiedensten Farben, rot, weiß, schwarz, grau. Warum sollte sein Blau schlechter sein. Er verstand das nicht, traute sich aber auch nicht zu fragen. Als er sein Frauchen rufen hörte, war er erleichtert und lief schnell ins Haus. "Der arme Kleine!", schimpfte Felicitas mit Lissi. "Er kann doch nichts dafür, dass er nicht so aussieht wie wir." "Er ist ein Ausländer!", Lissi sprach das Wort so angewidert aus, als ob das alles erklären würde. "Dafür kann er auch nichts!", wies Oskar sie zurecht. "Er hat hier nichts zu suchen", beharrte Lissi. "Ich finde ihn schön", sagte Trixi. "Er hat so etwas Edles." "Phh", kam es von Lissi und sie stapfte wütend davon. "Das hättest du vielleicht nicht sagen sollen", meinte Rudi. "Sie soll sich nicht so anstellen", sagte Felicitas. "François sieht zwar vielleicht ein bisschen anders aus als wir, aber deswegen muss er ja nicht schlecht sein." "Wir schauen uns mal an, wie er sich benimmt, bevor wir über ihn urteilen", schlug Oskar vor. "Er spricht schon sehr seltsam", ließ sich nun Blacky vernehmen, der bisher geschwiegen hatte. "Stimmt, er kann nicht richtig Deutsch sprechen, aber er gibt sich große Mühe", warf Felicitas ein. "Dafür kann er auch Französisch, das heißt er spricht zwei Sprachen. Das kann keiner von uns." Jetzt waren die anderen baff. Darüber hatten sie noch gar nicht nachgedacht. Das jemand noch anders sprechen konnte, als Deutsch nötigte ihnen schon einigen Respekt ab. So einer Katze waren sie noch nie begegnet. "Wie geht denn Französisch?", fragte Rudi. "Keine Ahnung", erwiderte Felicitas, "aber ich glaube es klingt sehr vornehm." Eine Weile sagte keine der Katzen etwas. Das mit dem Französisch hatte sie alle zu stark beeindruckt. "Ich finde es dennoch nicht so toll, dass er hier ist", meinte Blacky schließlich. "Hätte es nicht eine ganz normale Katze sein können?" "Darauf haben wir leider keinen Einfluss", sagte Oskar. "Wir müssen ihn so nehmen, wie er ist." "Und dafür auf Lissi verzichten?", fragte Blacky. "Sie redet bestimmt kein Wort mehr mit uns, wenn wir den Kleinen akzeptieren." "Lissi übertreib maßlos", sagte Oskar ärgerlich. "Ich hoffe nur, sie kriegt sich bald wieder ein." "Glaubst du wirklich, dass sie das tut?", zweifelte Blacky. "Eigentlich nicht", seufzte Oskar, "sie kann so schrecklich stur sein." "Wir müssen eine Lösung finden mit der alle Katzen leben können", sagte Felicitas. "Es darf nicht sein, dass wir uns zwischen Lissi und François entscheiden müssen." "Tja", meinte Oskar nachdenklich, "François wird uns dabei keine Schwierigkeiten machen. Aber ich fürchte Lissi wird ihn nie akzeptieren." "Und ich habe mich so auf das neue Kätzchen gefreut", jammerte Trixi. "Ich wollte es so richtig bemuttern." "Vielleicht kommt Lissi ja doch noch zur Vernunft", meinte Felicitas. "Nie", sagte Blacky, stand auf und streckte sich, "ihr kennt sie doch. Ich gehe sie mal suchen." "Tu das", sagte Oskar, "sie soll sich bloß nicht ausgestoßen fühlen." "Sie stößt sich selbst aus", sagte Felicitas traurig.
François ist ein kleiner Kartäuserkater aus Frankreich. Als er nach Deutschland kommt und noch... mehr
Produktinformationen "François sucht Freunde"

François ist ein kleiner Kartäuserkater aus Frankreich. Als er nach Deutschland kommt und noch nicht so gut Deutsch kann, wird er abgelehnt von den anderen Katzen.

Hardcover - 80 Seiten

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