Kamakura-Kleinsassen

Kamakura-Kleinsassen
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  • 9783936084719
  • Ab Hilders wurde das Schneetreiben immer heftiger, und der skarabäusgrüne Saab musste die Strecke bis Simmershausen mit zusätzlich eingeschalteten Nebelleuchten zurücklegen. Zweihundert Meter vor dem gelben Ortsschild verringerte der Wagen die Geschwindigkeit, um in eine nicht geräumte Landstraße 2. Ordnung abzubiegen. Erfreulicherweise waren Wege und Straßen im Herbst von der Gemeinde neu asphaltiert und im November dann auch zusätzlich mit Schneestangen versehen worden, so dass der Mann am Steuer sicher die geländerlose Holzbrücke erreichte, die das Mühlfließ überspannt. Er hupte kurz und rollte vorsichtig auf die Bohlen. Am anderen Ufer des gar nicht mehr sommerlich-friedlichen Baches beschleunigte er noch einmal sanft und lenkte den Wagen durch die weit geöffneten Torflügel auf das Fladungsche Anwesen. Das Kombicoupé kam dicht vor der Freitreppe zum Stehen, der Motor wurde abgestellt. Eine gebückte Gestalt erschien in der beleuchteten Haustüröffnung, während das Hoflicht anging. Neben dem Alten tauchte ein langhaariger Jagdhund auf und beäugte konzentriert das Auto und den aussteigenden Fahrer. „Ruhig, Hasso, das ist doch unser Herr Esbeck!“ Der Hund machte augenblicklich „Platz“ und blickte nur noch interessiert auf die angestrahlten Schneewirbel im Hof. Klaus Esbeck stieg die Stufen zur Haustür hoch, schüttelte die ausgestreckte Hand und kraulte den Setter zur Begrüßung. „Auto fahren bei diesem Wetter, Herr Esbeck!“ „Geht gerade noch so mit meinem winterfesten Schweden, Herr Fladung, wenn ich langsam fahre.“ Er deutete 6 mit dem Daumen über die Schulter. „Wir werden einschneien, wenn mich nicht alles täuscht.“ Der Alte musterte kritisch die dicker werdende Schneedecke auf dem Scheunendach gegenüber. „Sieht ganz danach aus.“ „Was Neues im Landkreis?“ „Ach, was soll denn hier schon passieren! Seit die Grenze wieder auf ist, überschlägt sich gelegentlich ein Trabi, und das erfahren wir dann auch erst am nächsten Tag aus der Fuldaer Zeitung.“ Esbeck wunderte sich, wie schnell die Wiedervereinigungseuphorie bei den Fladungs abgeklungen war, wollte aber nicht weiter darüber diskutieren und wechselte das Thema. „Gibt es Post für mich?“ „Ja, ein Päckchen aus Japan. Kommen Sie doch rein! Ich hole es rasch.“ „Das sind sicher die Bücher, die ich bestellt hatte.“ Esbeck trat in die Diele, ließ die Tür einen Spalt weit offen, um den Wagen im Auge zu behalten. Der Alte brachte das Päckchen zusammen mit der obligatorischen Steingutflasche. Esbeck warf einen Blick auf den Absender: Kinokuniya International Bookshop, Tokio. Der Alte füllte zwei Gläser: „Den Hunden oben hab ich übrigens den Schuppen aufgemacht, als es zu schneien anfing.“ „Mit so viel Schnee habe ich nicht gerechnet, als ich heute Morgen weg bin“, sagte Esbeck. „Vielen Dank!“ Den angebotenen „Rhöngeist“ trank er auf das Wohl seines Vermieters. „Hm, tut gut bei diesem Wetter!“ Er leerte das Glas, denn Ablehnen wäre sinnlos gewesen, der Bauer hätte ihn nie ohne den einheimischen Kräuterschnaps weggelassen. „Ich muss bald wieder nach Fulda. Wenn Sie etwas brauchen, Herr Fladung, lassen Sie’s mich ruhig wissen.“ Der Alte nickte. Dann fiel ihm etwas ein. „Haben Sie das Gewehr dabei?“
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Produktinformationen "Kamakura-Kleinsassen"

Ein japanischer Pensionär fertigt geniale Kopien von Meisterwerken der europäischen Malerei an, und ein Yakuza-Boss begeistert sich für die Werke Piet Mondrians.
Klaus Esbeck ist Aikido-Fan und Übersetzer mit Wohnsitz in Kamakura, Nippon.
Während eines Deutschlandurlaubs erfährt er, dass die Rhöner Kunststation Kleinsassen eine große Mondrian Ausstellung beabsichtigt.

Paperback - 223 Seiten

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