Veneficium Unicum

Veneficium Unicum
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  • 9783945175231
  • Jemand setzte sich doch tatsächlich auf den Schemel neben ihn, ließ eine Münze in den Becher fallen und beugte sich zu ihm hinüber. ... Taron hatte am Klimpern gehört, dass es eine größere Münze gewesen sein musste. Er räusperte sich, stellte den Becher weg und streckte seine Hand aus in Richtung Hocker. „Lies mir die Zukunft“, kam es unfreundlich auf Hiesisch zu ihm herüber. Taron wechselte die Sprache. Ein Gast aus Hiesig, also. Interessant. „Eure Hand bitte“, nuschelte er im selben Tonfall, wie vorher bei dem Jungen. Eine Hand wurde ihm hingestreckt und er ergriff sie. Er drehte sie mit der Unterseite nach oben. Eine grobere Männerhand ohne Schmuck, wie sich zeigte. Kein Ring oder Armreif waren daran. Aber auch nicht die Schwielen eines einfachen Bauern. Die Fingernägel waren ordentlich kurz geschnitten. Wurstfinger, dachte Taron. Ein bisschen klobig dazu von der Gestalt, vermutete er den restlichen Mann. Mit den Fingern stieß er wie unabsichtlich kurz an den Saum seines Ärmels. Eine einfache Jacke. Keine Manschetten darunter und keine Uniform darüber. „Wer Ihr seid?“, fragte Taron halblaut. „Und was Ihr wollen wissen?“ Es entstand eine Pause. Blitzschnell hatte er einen anderen Akzent angenommen. Taron bemerkte, wie der andere nervös auf seinem Hocker herumrutschte. „Also?“ Der andere antwortete nicht. Seine Hand zitterte leicht und wurde etwas feucht. Wer war so aufgeregt im Angesicht eines vermeintlich echten aber elenden Wahrsagers? Er wartete ab. ... Nichts passierte. Taron wartete immer noch. Kurz, bevor er die Hand des Anderen los lassen wollte, begann der zu sprechen. „Wie ich heiße, muss dich nicht interessieren“, sagte eine Stimme zu ihm. „Sag mir, was du in meiner Hand lesen kannst. Dafür habe ich bezahlt. Ich bin sehr neugierig, was solche Dinge betrifft. Wahrsagen, Orakel und so weiter.“ Taron wurde stutzig. Irgendwoher glaubte er diese Stimme mit dem leichten Sprachfehler und dem unfreundlichen Unterton zu kennen. Zu gerne hätte er den Wickel vor seinen Augen nun abgenommen. Zumindest Schemen würde er wenigstens durch eine Linse jetzt wahrscheinlich erkennen können. ... Er konnte den Tonfall nicht einordnen und er überlegte fieberhaft. Um sich Zeit zu verschaffen, fühlte er noch einmal sorgfältig die Linien der ihm hingestreckten Handinnenfläche. Sein Gegenüber lauerte gespannt. Diese Stimme. In seinem Kopf quoll eine Erinnerung hervor. Jemand schrie ihn beißend an, ein hämisches Lachen folgte. Und dann hatte Taron es. Markttag. Unmerklich hielt er den Atem an. Es musste niemand anders sein, als dieser Trottel von Oberst, der ihm gegenüber saß. Das konnte einfach nicht wahr sein. Wie war er nur ausgerechnet hierher gekommen? Blöder konnte es nicht laufen. Am selben Ort, zur selben Zeit. Aber wie es schien, war seine Tarnung doch so gut, dass der Oberst keine Ahnung hatte, wem er gerade gegenüber saß. Das ist jetzt ungünstig, dachte Taron bei sich und ließ des anderen Hand wieder sinken. Er überlegte gut, was er ihm sagen würde. Wie abergläubisch er wirklich war, das würde er in den nächsten Augenblicken herausfinden. „Also?“, fragte der Andere wieder. „Was ist nun? Kannst du es, oder nicht?“ Taron zögerte noch. „Es wäre besser, ich geben Euch Euer Geld zurück, werter Herr“, begann er gebrochen. „Ihr wissen doch noch, was Ihr in Krug geworfen, also nehmen es wieder. Es seien keine schönen Dinge, die ich zu Euch sagen möchte.“ Der andere war erstaunt und reagierte, wie es seine Art war, auch verhältnismäßig schroff. „Du blöffst, Krüppel“, giftete er ihn an. „Du sagst mir jetzt, wofür ich bezahlt habe. Ich will es wissen.“ ... Also, gut. Taron seufzte und winkte noch einmal seine Hand heran. Er fuhr die Linien darin nach und begann zu sprechen. Seine Stimme dabei war rau und wurde immer dunkler. „Ich lesen in deinen Linien folgendes Schicksal.“ Er machte eine kleine Pause und ergänzte: „Ich sagen Euch das jetzt genauso, wie ich es gesehen. Ohne Schonung. So wollen das ja, oder?“ Der Oberst nickte aufgeregt. ... „Ja, Krüppel. Natürlich. Was denn sonst?“ „Also. Ich haben gesehen, dass Ihr in Eurer Vergangenheit einen schweren Fehler begangen.“ Der andere riss seine Hand weg und starrte den zerlumpten Bettler vor sich an. „Was soll das?“, pöbelte er. „Und ich haben gesehen, dass Eure Vergangenheit Euch deswegen einholen“, fuhr Taron ungerührt fort. Der Oberst war aufgesprungen. Er war drauf und dran, den Bettler vor sich am Kragen zu packen. Aber er beherrschte sich. Er hatte ja gefragt. „Und weiter?“, herrschte er ihn an. „Das entziehen sich meiner Kenntnis. Leider konnten ich nicht sehen, welcher Art Euer Missgeschick. Aber Eure Lebenslinie deuten darauf hin, dass in naher Zukunft für Euch es schwierig werden. Sehr schwierig. Ich wünschen Euch viel Glück, mein Herr. Mehr ich nicht sagen. Auch meine Möglichkeiten begrenzt.“ Der andere lief tomatenrot an, warf den Hocker um und taumelte kopflos davon. Wieder zurück hinein ins Innere des Gauklerlagers. „Und denken daran“, rief Taron ihm hinterher. „Das Schicksal ebenfalls blind. Aber es zeigen nur auf, was vielleicht einmal sein könnte. Es kommen darauf an, was Ihr daraus machet.“
Taron Ikárov ist Fürst der Dämmerung. Er herrscht in Grauen. Und: Er kann sein Amt nicht leiden.... mehr
Produktinformationen "Veneficium Unicum"

Taron Ikárov ist Fürst der Dämmerung. Er herrscht in Grauen. Und: Er kann sein Amt nicht leiden. Er hat es geerbt. Neben seinem zwielichtigen Dasein als Thronfolger ist er Ratsmitglied und Diplomat. Eine anstrengende Aufgabe. Aber ist das alles? Und ist er tatsächlich der skrupellose Assassine, für den ihn alle halten? Zielsicher bewegt er sich so seit Jahren über ein mehr als kippeliges Parkett. Ein unerwarteter Brief verändert alles. Man möchte ihn fallen sehen. Die Zeichen hat er längst erkannt. Nur durch Zufall wird Taron nach einem furiosen Anschlag gerettet. Durch die Töpferstochter Mia. Im buchstäblich letzten Moment. In einem einzigen Augenblick nehmen gleich mehrere Leben eine völlig ungeahnte Wendung. Inkognito startet der König der Dämmerung von einem Kloster aus eine labyrinthische Reise in ein unsicheres Morgen. Aber nicht mehr alleine. Eine Schicksalsgemeinschaft wie Pech und Schwefel ist fortan an seiner Seite. Wird er die Geheimnisse um die mysteriösen Umstände dieser Geschichte lüften können? Sind die Dinge, wie sie scheinen?

Paperback 784 Seiten

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