Das Buch Deutschland

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  • 9783945175248
  • 1. Am Anfang war das Ende, und unsere Herzen und Häuser lagen in Trümmern. 2. Denn siehe: Unser Volk hatte große Schuld auf sich geladen. Zwölf Jahre lang war sein Reich von Menschen der Finsternis regiert worden. 3. Aus unserer Mitte waren sie über uns gekommen, und unsere Väter und unsere Mütter hatten sich blenden lassen von ihrer Kraft. 4. Die Hälfte ihrer zwölf Jahre hatten die Menschen der Finsternis mit unserer Väter und unserer Mütter Hilfe Krieg geführt. 5. Kein Wort, das beschreiben könnte, welch seelenlose Verbrechen dabei getan worden waren. Kein Papier, das die Wahrheit ertrüge. 6. Noch nie im Weltenlauf hatte ein Volk mehr Unheil angerichtet; noch nie ein anderes durch eines mehr gelitten, als Gottes Volk durch das unsere. 7. Doch aufopferungsvolle Völker schickten ihre Heere und geboten uns Einhalt. Denn wahrlich: Wir selbst waren nicht Menschen genug, um von selbst dies zu tun. Sie mussten uns zerstören, um uns zu befreien. Wir aber wehrten uns bis zum Ende. 8. Dann, im fünfundvierzigsten Jahr des Alten Jahrhunderts, fielen wir endlich zu Boden, und um uns schlagen konnten wir nicht mehr. In Schutt und Asche lag unser Land; kalt und grau waren Menschen und Seelen. 9. An diesem Anfang hatten wir Nichts: Kein Land, kein Brot, keinen Willen und kein Gewissen. Die vier mächtigsten Länder der Erde schickten ihre Beamten und brachten uns all dies. Sie bestimmten unser Denken und Reden, unser Nehmen und Tun. Sogar das freie Atmen hatten wir verlernt. 10. Und sie gingen hin und saßen Gericht über unsere Herrscher. Der schlimmste von ihnen jedoch, der, der sich Führer genannt hatte, war nicht mehr unter ihnen. Zwölf Jahre lang war unser Land ihm gefügig gewesen. Kurz vor dem Ende und kurz vor dem Anfang war er gestorben von eigener Hand. 11. Die anderen Herrscher unseres großen Reiches sagten sich los von aller Schuld. Befohlen hätte allein der, der sich Führer genannt hatte, erklärten sie feige. Sie selbst hätten nur ihrem Vaterland gedient, erklärten sie böse. Nicht ihrer Herrschaft Erfindung sei es gewesen, dass in Kriegen die Menschen sterben müssten wie die Fliegen, erklärten sie kalt. Und siehe: Die Welt erschauderte beim Anblick ihrer Münder und ihrer Seelen. 12. Die vier Länder, die über unsere Herrscher zu Gericht saßen, verurteilten zwölf von ihnen zum Tode. Danach wollten wir nicht mehr an das denken, was geschehen war in unser Namen. Unser aller Schuld zu sehen und zu sühnen, war unseren Bäuchen und unseren Seelen noch nicht gegeben. 13. Die vier mächtigsten Länder gingen hin und teilten das Gebiet unter sich auf, das von unserem großen Reich übrig geblieben war, damit ein jeder einen Teil regiere. Bald jedoch überwarfen sich drei der vier Länder mit dem vierten, und so zogen sie durch unser Land eine Grenze, die sie und uns trennte. 14. Die drei Länder, die aus dem Westen gekommen waren, bestimmten nun über den Westen. Das Land, das aus dem Osten gekommen war, bestimmte über den Osten. Auch durch unsere Hauptstadt, die im Osten lag, zogen sie eine Grenze. 15. Und siehe: Die drei Länder aus dem Westen bestimmten anders über uns als das Land aus dem Osten. Ihre Strafe war berechenbarer; ihre Hilfe half mehr. Hunger und Mangel aber blieben drei Jahre. Aus dem Gebiet, das von unserem großen Reich verloren war, flüchteten Millionen von Menschen zu uns und begehrten Einlass in unsere Trümmer. 16. Wahrlich: Die Rationen waren klein; die Dächer boten keinen Schutz. Wir zahlten unser Essen nicht mit Geld, sondern tauschten die Tücher und die Pelze ein, die wir noch hatten. 17. Im dritten Jahr nach dem Ende und nach dem Anfang bekamen wir im Westen ein neues Geld, und es brachte uns viele neue Stoffe und große Erleichterung. 18. Das Land aus dem Osten jedoch wollte nicht, dass es unserem Volk dort besser ging, wo die anderen drei Länder bestimmten. Es verriegelte jenen Teil unserer Hauptstadt, in dem es nicht die Macht hatte, damit er Not leiden und ausbluten möge. Nichts kam dort mehr hinein; nichts kam dort mehr hinaus. Der Hungertod klopfte wieder an die Türen. 19. Wir lagen darnieder, aber wir wurden gebraucht. Denn siehe: Keiner, der über uns bestimmte, wollte sich nun besiegen lassen, nachdem er uns besiegt hatte. Die Macht über uns abzutreten hätte geheißen, nicht mehr Sieger zu sein wie die anderen. 20. Um ihren Teil der Hauptstadt nicht zu verlieren, warfen die drei Länder aus dem Westen alles vom Himmel, was wir dort nötig hatten. Elf Monate lang warfen sie Tag und Nacht, Stunde um Stunde. 21. Dann gab das Land aus dem Osten die ver-riegelten Straßen und Flüsse wieder frei. Es hatte den Stachel in seinem Fleisch ausreißen wollen, aber er blieb in ihm.
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Produktinformationen "Das Buch Deutschland"

Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in biblischer Sprache - von der "Stunde Null" im Jahre 1945 über Mauerbau, Wiedervereinigung und Jahrtausendwende bis in den Sommer 2017 - und noch darüber hinaus ...

Eine emotionale und provokante Bestandsaufnahme über die Verfasstheit unseres Landes, eine prophetische Mahnung vor einer möglichen düsteren Zukunft und gleichzeitig eine Liebeserklärung an die poetische Schönheit des "Buches der Bücher".

Getragen wird der Text von einem vielschichtigen Wir-Erzähler, der sich integrierend in alle hineinversetzt, die Teil unserer Geschichte und unserer Gegenwart sind, auch und gerade dann, wenn sie ihm in seiner erlebenden und appellativen Identität fremd bleiben.

Paperback - 144 Seiten

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