Mongolische Maßstäbe

Mongolische Maßstäbe
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  • 9783945175378
  • Die Sonne war schon fast untergegangen, aber die Schwüle des Tages klebte noch immer in der Luft. Der Schnellzug war vollkommen überfüllt. Auch in den Gängen drängten sich die Menschen. Ricardo stand zwischen schwitzenden Leibern und konnte sich kaum auf den Beinen halten. Um ihn herum stank es nach Schweiß und nach Verzweiflung. Die wollen alle im letzten Moment noch über die Grenze, dachte Ricardo. Es wird Verhaftungen geben. Sie haben zu lange gewartet. Die meisten Menschen in Ricardos Nähe blickten schweigend hinaus. Er jedoch hatte sich mit dem Rücken an ein Fenster gelehnt und starrte mit erschöpften Augen in das Abteil, das vor ihm lag. Ich habe auch zu lange gewartet, dachte Ricardo. Ein älterer Herr öffnete die Tür des Abteils und bot ihm seinen Sitzplatz an. Ricardo lehnte nicht ab. Es war ihm noch nicht einmal besonders unangenehm, das Angebot anzunehmen. Er fiel in den Sitz, als ob er niemals wieder aufstehen wollte. Zum ersten Mal im Leben hätte er lieber keine Uniform getragen. Nicht wegen dem, was heute Morgen geschehen war. Damit hatte seine Uniform nichts zu tun. Es gab einen anderen Grund: Er hätte sie lieber nicht getragen, weil er sich zum ersten Mal zu klein für sie fühlte. So als wäre die Uniform ihm entwachsen. Und würde immer weiter wachsen und wachsen und wachsen… Warum hat dieser Mann mir wohl seinen Platz angeboten, überlegte Ricardo. Weil ich die Uniform trage oder weil ich so aussehe, als ob ich jeden Moment in Ohnmacht fallen könnte? Wo ist jetzt meine vielgepriesene Haltung? Judith hatte doch recht. „Du bist kein Offizier“, hat sie immer gesagt. „Du bist ein Mannequin für Militär-Mode.“
Ricardo, ein junger Offizier in einer fiktiven lateinamerikanischen Bananenrepublik, der immer... mehr
Produktinformationen "Mongolische Maßstäbe"

Ricardo, ein junger Offizier in einer fiktiven lateinamerikanischen Bananenrepublik, der immer ein reiner Mitläufer gewesen war, verweigert während eines Militärputsches plötzlich den Gehorsam und flieht spontan mit dem Zug in Richtung Grenze. Während der Fahrt führt er ein inneres Zwiegesrpäch mit seiner großen Liebe Judith, die das instabile Land in weiser Voraussicht schon vor Jahren verlassen hatte. Ricardo erinnert sich an die persönlichen und gesellschaftlichen Wegmarken seines Lebens und erkennt, dass seine ganze bisherige Existent auf Täuschungen und Äußerlichtkeiten aufgebaut war.

Eine kunstvoll gestrickte, novellenartige Parabel über Wucht und Wirkungslosigkeit plötzlicher Selbsterkenntnis, die den Leser mit der diffusen Befürchtung zurücklässt, dass letztendlich niemand aus seiner Haut kann, so sehr er selbst auch an Veränderung und Läuterung glauben mag. Oder verbirgt sich in Ricardos abschließendem Sinneswandel womgöglich doch ein Neuanfang und keine Kapitulation vor sich selbst?

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