Monds Kalla

Monds Kalla
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  • 9783945175729
  • Als meine Oma begraben wurde, ging ich an der Hand von Onkel Ernst zum Friedhof. Mutter, die auf meinen kleinen Bruder aufpassen musste, konnte nicht mit. Vater und seine Brüder, Onkel Heinrich, Onkel Wilhelm und Onkel Johann waren im Krieg. Zuerst Großvater, dann meine Tanten und danach noch viele andere Leute warfen mit einer kleinen Schaufel Erde auf den Sarg. Laut polterte der Acker in die Grube. Viele Menschen drückten uns die Hände, auch mir, obwohl ich nur ein Kind war, und gingen dann schnell weg, damit sie ins Trockene kamen, denn es regnete in Strömen. Zum Schluss standen nur Ernstelchen und ich vor dem Grab. Eigentlich sollte ich nicht Ernstelchen sagen, weil das meinen Patenonkel ärgerte, aber nicht so richtig. Denn wenn er mit dem Zeigefinger gedroht und „Na, na!", gesagt hatte, fing er meistens an zu lachen. „Ich will keine Erde auf die Oma werfen“, sagte ich, „und du sollst das auch nicht tun. Oma findet es bestimmt nicht schön in dem Loch. Warum konnte sie nicht daheim bleiben?“ „Wie oft muss ich dir das noch erklären“, sagte Ernst, „Oma ist nicht wirklich da drin.“ „Ist sie doch“, antwortete ich, „sie liegt da im Acker. Ich habe gesehen, wie die Männer die Kiste zugenagelt haben und Oma war drin.“ „Schon“, sagte Ernst traurig, „das, was von Oma im Sarg liegt, wird wieder Erde. Aber es gibt noch eine andere Oma aus lauter Licht und die ist jetzt im Himmel. Es tut ihr nichts mehr weh und es geht ihr gut.“ Ich blickte zu dem Himmel hoch, der so weit weg war. „Wie ist sie dahin gekommen?“ „Über die Regenbogenbrücke. Die geht bis ganz oben in die Wolken, von tief unten bis direkt vor die Himmelstür.“ „Aber es ist keine da. Ich sehe keine.“ „Irgendwo auf der Welt ist immer eine Regenbogenbrücke, damit die Seelen mit ihrem Lichtkörper drüber gehen können.“ „Und das ist wirklich und wahrhaftig wahr, Ernstelchen, du lügst mich nicht an?“ „Ich schwöre“, sagte Ernst und hielt drei Finger der rechten Hand in die Höhe. Wenn Vater an der Front war, brauchte ich nicht in meinem Zimmer zu schlafen, das neben der Wohnküche lag, sondern durfte ins Schlafzimmer der Eltern, ein Stockwerk höher, in Vaters Bett, neben das der Mutter. Das war das Schöne am Krieg. Im Einschlafen hörte ich sie noch unten in der Küche wursteln und nachts durfte ich manchmal zu ihr rüber rutschen. Aber nicht immer! Sie mochte das nicht so gern!
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Produktinformationen "Monds Kalla"

Das Kind Karla Karl, wegen seines runden Gesichtes oft als „Monds Kalla“ gehänselt, erzählt wie es die Kriegs- und Nachkriegszeit in den Dörfern, in denen es aufwuchs, erlebte, mal aufregend, gefährlich und traurig, aber auch heiter und komisch. Die Erzählungen beginnen mit der Geburt von Monds Kallas Brüderchens zu der Zeit als der Vater vemisst ist. Alle geschilderten Ereignisse fanden in den Jahren zwischen 1941 und 1951 statt. Sie und die handelnden Personen sind keine Phantasiegebilde sondern authentisch. Wo es der Verfasserin wichtig erschien, Anonymität zu wahren, z.B. für die Nachkommen einiger der beschriebenen Personen, wurden deren Namen und auch die von Ortschaften frei erfunden.  

Paperback - 185 Seiten

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